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*Depleted Uranium Workshop* bei NPT-Überprüfungskonferenz der UN in New York
war_is_illegal


Marion Kuepker - Gewaltfreien Aktion Atomwaffen Abschaffen:

Berichterstattung von der derzeit in New York stattfindenden NPT-Überprüfungskonferenz -
einer alle fünf Jahre einberufenen Versammlung der Mitgliedsstaaten des Atomwaffensperrvertrages.


Ich selbst habe am 4. Mai an dem *Depleted Uranium Workshop* von der
Internationalen Kampagne zur Ächtung von Uranwaffen (ICBUW)
teilgenommen, wo über den Fortschritt hin zu einer Ächtung informiert
wurde. Prof. Glen Lawrence von der Long Island University untersuchte
die US-Studien zur Toxizität von Uran, mit dem Ergebnis, dass keine der
Studien Nanopartikel untersuchte, wie sie bei den Uranwaffen entstehen.
Der heute halbseitig gelähmte schwarze Polizist Herbert Reed aus New
York berichtete in beeindruckender Ruhe, wie er und andere aus seiner
Einheit in den Irak auf eine DU-verseuchte Militärbasis geschickt wurden
(die Niederländer verweigerten diese Basis), und wie im Nachhinein mit
den erkrankten Soldaten umgegangen wurde: sie wurden und werden u. a.
wegen sogenannter "pre-existing conditions" (Vorerkrankungen) schnell
aus dem Dienst entlassen. Reed ließ sich - privat finanziert durch die
Daily News - in Deutschland auf DU testen (positiv) und erzählte auch
über seine Bekanntschaft mit einem 20-jährigen US-Soldaten, der
innerhalb kürzester Zeit an drei verschiedenen Krebsarten starb. (Seine
Story sollte von jemanden niedergeschrieben und ins Deutsche übersetzt
werden. Die Kontaktdaten habe ich.)

In einer Powerpoint-Präsentation wurden Informationen von US Navy Lt.
Allen E. Willy darüber gegeben, dass im Irak die Krebsrate 8 -10 mal
höher ist als in den Ländern des Westens und in Basra (im Südirak) 4 mal
höher als im irakischen Landesdurchschnitt. Maki-Sato von JIM-NET Japan
berichtete über die Arbeit in einem irakischen Kinder-Krankenhaus, für
das sie Medikamente sammeln und auch den Kindern Hoffnung geben, indem
ihr Glaube gestärkt wird, das Krebs heilbar ist/sein kann.




*Allgemeine Zusammenfassung der 1. NPT-Woche:*
von Marion Kuepker Gewaltfreien Aktion
Atomwaffen Abschaffen  http://www.gaaa.org/

Die Länder haben ihre Berichte vorgetragen, worin sich viele für eine
schrittweise Abrüstung und sogar für eine Atomwaffenkonvention
ausgesprochen haben, wobei sich die Vorgehensweisen aber total
voneinander unterscheiden (die großen Atommächte wollen aus
"Sicherheitsgründen" erst Schritte von den Anderen!!!).

Obwohl der neuen Internationalen Agentur für Erneuerbare Energien IRENA
bis jetzt schon 143 Staaten und die EU beigetreten sind, wollen davon 60
Nichtatomwaffenstaaten über den NPT die Technologie für die Nutzung von
Atomenergie erhalten (2009 waren es noch 32). Sie sehen in der
erneuerbaren Energie nur eine zusätzliche Alternative, die die
Atomenergie nicht ersetzen könne.


Parallel zu diesen General Assembly Anhörungen finden unter den
anwesenden NGOs hochinteressante Workshops statt, die in dieser
Konzentration und Menge für unsere Vernetzung einmalig sind. Auch einige
RegierungssprecherInnen, ParlamentarierInnen und BürgermeisterInnen aus
verschiedenen Ländern berichten und diskutieren mit uns in Workshops,
welches in dieser Offenheit und gegenseitiger Achtung einmalig ist. Aus
Deutschland sind etwa 50 NGO-Delegierte anwesend, die sich zu diesen
ganzen Aktivitäten aufteilen, weshalb sich das Lesen aller Berichte lohnt!


Am Dienstag habe ich zudem an dem Workshop über die
*US-Atomwaffenproduktion in der Ära Obama* teilgenommen:

Im kommenden Jahrzehnt sollen drei ganz neue Atomwaffenlabore (Labs)
gebaut werden, die neue Atomwaffen herstellen. CARE berichtet, wenn sie
die Produktionsstellen bauen, dann bauen sie auch diese neuen
Atombomben. In Kansas City wurden von Honeywell die B61, also die US
Atomsprengköpfe, die in Europa u. a. in Büchel stationiert sind,
hergestellt. Die Umweltprobleme an den bisherigen Labs sind so groß,
dass das Rocky Flats Lab bereits geschlossen werden musste, als die
Proteste zu groß wurden (reaching a critical mass). Dort gibt es jetzt
eine "Wild Live Reservation", die von Zivilisten beaufsichtigt und
umsorgt wird. In Kansas City sind viele durch das radioaktive Beryllium
erkrankt, und aktuell gibt es vom 16.-19. Juni an der Anlage Proteste.
In einem der neuen Labs soll der Ersatz für den Atomsprengkopf B61, der
Typ B61-12, hergestellt werden, der aber nur zu dem neuen
US-Kampfflugzeug F35 Joint Strike Stealth Fighter passt. Dieses müsste
dann auch in Europa eingeführt werden. /Hieran kann unsere Regierung
allerdings kein Interesse haben, da "unser" Rüstungskonzern EADS seinen
Eurofighter los werden will und diesen für Büchel plant, der u.a. auch
für die dortige neuen bunkerbrechende Cruise Missile TAURUS, von der die
Bundeswehr schon 600 Stück besitzt, geeignet ist (Anmerkung von mir).
/Da es sich bei der B61-12 um ein ganz neues Atomwaffensystem handelt,
würde dieses bedeuten, dass auch der Atomteststoppvertrag nicht
ratifiziert werden kann, da neue Systeme getestet werden müssen (hier
reicht die Computersimulation nicht aus). Hans M. Kristensen von der
Federation of American Scientists und auch Greg Mello von der Los Alamos
Study Group berichteten in anderen Workshops von ihrer Einschätzung,
dass es einen Deal zwischen Obama und den 34 Senatoren gibt, die Obama
für eine dreiviertel Mehrheit im Kongress für die Abstimmung zur
Ratifizierung des neuen START Abkommens und des Atomteststoppvertrages
braucht. Zufällig sind genau 34 Senatoren finanziell davon betroffen,
wenn in den entsprechenden Staaten die neuen nicht finanziert werden.
Obama hat dafür bereits 2 Mrd. $ beantragt und liegt damit schon 10 %
über dem Gesamt-Budget für Atomwaffen der letzten Jahre (John Burroughs
spricht sogar von 14 %). Es sollen auch in der Vergangenheit Gelder
bewilligt worden sein, die dann aber real nicht vorhanden waren, wodurch
einige Projekte scheiterten. So wird es auch bezüglich der B61-12
eingeschätzt. (ich habe reichlich Material auf Englisch zum Weiterlesen!)


Der dreistündige Workshop *Ent-Nuklearisierung der Koreanischen
Halbinsel *wurde von SPARK -- Solidarity for the Peace and Reunification
of Korea, eine südkoreanische Friedensorganisation, die sich für einen
Friedensvertrag und die Wiedervereinigung einsetzt - am 5. Mai
abgehalten. Die RepräsentantInnen erzählten, das ihre UN-Teilnahme beim
Umsteigen auf dem Flughafen in Kanada gefährdet war, da die
Südkoreanische Regierung von der kanadischen Regierung deren Rücksendung
verlangte. Dieses wurde nach drei Stunden von Kanada verweigert.

In Südkorea finden regelmäßig US Manöver direkt an der Grenze zu
Nordkorea statt, und die US-Basis im Grenzgebiet soll auf das Doppelte
vergrößert werden. Auch soll in Südkorea eine US-Raketen"abwehr" (gegen
China) aufgebaut und auf der südkoreanischen Insel /Jeju/ eine neue
Militärbasis für US Flugzeugträger eingerichtet werden. Hierzu wurden
drei Kurzvideos mit englischen Untertiteln gezeigt, die ich euch jetzt
auch zur Verfügung stellen kann. Die koreanische Bevölkerung protestiert
gegen diese Projekte, und 60 % der Bevölkerung will den Friedensvertrag
und einen Abzug des US-Militärs, sowie raus aus dem sog. militärischen
Schutzschirm, den die USA der südkoreanischen Marionettenregierung
bietet. Unter den oben benannten Voraussetzungen will auch Nordkorea die
Wiedervereinigung und kein eigenes Atomwaffenprogramm, aber in der
jetzigen Situation fühlt es sich bedroht. Eine Wiedervereinigung wie in
Deutschland (einseitige Übernahme) sei von beiden Seiten nicht gewollt.

Überrascht waren die koreanischen RepräsentantInnen, dass auch in Europa
von den Südkoreanischen Friedensbemühungen und deren Sichtweise in den
Medien nichts bekannt sei, da doch Europa so gut die eigene Geschichte
aufgearbeitet haben soll (u.a. in den Schulen). Papiere in Englisch habe
ich und bekomme sie auch noch digital um sie euch zur Verfügung stellen
zu können.


Jetzt liege ich nur noch eine Woche mit meinen Berichten zurück, aber
hier waren auch am Wochenende Treffen, und die wollte ich nicht verpassen!

Bis bald wieder,

Marion

Auf www.reachingcriticalwill.org
findet man tägliche Zusammenfassungen der General Assembly
(Vollversammlung) -Vorträge und der meisten NGO
(Nichtregierungsorganisationen)-Workshops in Englisch!