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Angriff auf den Iran noch in diesem Jahr?

Ein Fahrplan zum Krieg
Philip Giraldi, ein ehemaliger CIA-Mitarbeiter, behauptet, der Iran müsse noch vor August 
2010 mit einem Angriff Israels und der USA rechnen.

Von Philip Giraldi
ANTIWAR.com, 05.05.10
( http://original.antiwar.com/giraldi/2010/05/05/a-timetable-for-war/ )
ÜBERSETZUNG
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP12410_100510.pdf
Leser meiner Artikel wissen, dass ich, was die Aussichten für einen Frieden im Mittleren
Osten angeht, äußerst pessimistisch bin. Ich glaube keine Sekunde, dass die israelische
Führung den Iran wirklich als "existenzielle Bedrohung" ansieht, aber weil sie schon so oft 
blinden Alarm geschlagen hat, ist die israelische Bevölkerung davon überzeugt, dass es
stimmt. Noch schlimmer ist, dass die Freunde Israels in den USA auch der amerikani -
schen Öffentlichkeit diese Bedrohung eingeredet haben, obwohl der Iran die USA keines-
wegs bedroht. Weil sie willfährigen Medien vertraut, glaubt die Mehrheit der US-Amerika-
ner tatsächlich die lancierten Nachrichten über die fanatischem Mullahs, die sich angeblich
Atomwaffen verschafft haben und unbedingt auch Al-Qaida damit ausstatten wollen, und
dass gegen den Iran Gewalt angewendet werden muss, da er bereits Atomwaffen hat. Wie
(die angebliche Bedrohung durch nicht existierende Massenvernichtungswaffen) vor dem
Überfall auf den Irak hat die fiktive Bedrohung (durch nicht existierende iranische Atom-
bomben) den Charakter einer unheilvollen Realität angenommen, denn wenn man die Lü-
gen häufig genug wiederholt, werden sie zu scheinbaren Wahrheiten.
Ich denke, dass sich aus der Untersuchung mehrerer Gegebenheiten erkennen lässt, wie
sich der Konflikt entwickeln wird. Erstens, trotz der immer kriegerischer werdenden Spra-
che, die Robert Gates und Hillary Clinton benutzen, glaube ich nicht, dass die Obama-Re-
gierung einen Krieg will. Ich glaube im Gegenteil, dass die Sprache der USA gegenüber
dem Iran deshalb so aggressiv ist, weil Tel Aviv von einer möglichen präventiven Militärak-
tion abgehalten werden soll. Die Hauptkriegstreiber in den USA sitzen nicht im Weißen
Haus. Es sind die Propagandisten der Israel-Lobby im Kongress und in den Medien.
Zweitens will die israelische Regierung mit der Lüge von der "existenziellen Bedrohung" 
wirklich einen Krieg provozieren, aber ihre Optionen sind begrenzt. Sie weiß, dass sie im
Iran nur vorübergehenden Schaden anrichten kann, und will daher die USA zu einem
Großangriff (auf den Iran) veranlassen. Deshalb muss sie eine Situation schaffen, die das
Eingreifen der USA in den Konflikt erzwingt, sonst hat ein (einleitender) israelischer Angriff 
nur begrenzten Wert; damit wäre das iranische Atomprogramm vielleicht zu verzögern, 
aber keinesfalls zu stoppen. Die Mullahs könnten sich dann sogar zu der politischen Ent -
scheidung veranlasst sehen, wirklich Atomwaffen bauen zu lassen.
Drittens hat Washington keine realistische Möglichkeit, Israel unter Druck zu setzen, weil 
das Weiße Haus bereits erklärt hat, dass es Tel Aviv die Hilfe nicht verweigern und sein
Veto auch weiterhin einsetzen wird, um Israel in internationalen Gremien wie den Verein-
ten Nationen zu schützen.
Viertens werden, sobald geschossen wird – selbst wenn Israel angefangen haben sollte –
sowohl der Kongress als auch die Medien fordern, Washington müsse intervenieren und
die kleine, tapfere Demokratie Israel unterstützen. Man kann sicher sein, dass der Kon-
Friedenspolitische  Mitteilungen  aus  der US-Militärregion Kaiserslautern/Ramstein
                       
gress einen Tag, nachdem Tel Aviv einen Konflikt losgetreten hat, mit überwältigender
Mehrheit eine Resolution verabschieden wird, die das israelische Vorgehen unterstützt 
und das Weiße Haus auffordert, die US-Streitkräfte (an der Seite Israels) eingreifen zu las-
sen. Die WASHINGTON POST, FOX NEWS und die NEW YORK TIMES werden eine sol -
che Resolution begeistert begrüßen.
Was ergibt sich aus diesen vier Prämissen? Sie lassen nur den einen Schluss zu, dass Is -
rael einen Konflikt mit dem Iran provozieren und versuchen wird, die USA hineinzuziehen. 
Israel wird alle Aufforderungen der USA, sich zurückzuhalten, ignorieren und die Mullahs
mit oder ohne einen Vorwand angreifen – unabhängig davon, ob der Iran den NPT-Vertrag
weiterhin erfüllt, was ich glaube, oder ob Teheran sich zu einer aggressiven Handlung pro-
vozieren lässt. Zur Vorbereitung seines Angriffs wird Israel seine Propaganda-Kampagne
verstärken und noch mehr Lügen über den Iran und dessen Verbündete im Mittleren Os-
ten verbreiten. Die jüngste absichtlich verbreitete Falschmeldung, Syrien habe der Hisbol -
lah Scud-Raketen geliefert, ist ein typisches Beispiel für diese israelische Taktik. (s. 
http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP10810_230410.pdf ) Israel betrachtet alle
Menschen in dieser Region als  Feinde oder potenzielle Feinde und arbeitet sehr hart da- 
ran, Washington von seinen Ansichten zu überzeugen. Wenn die Kämpfe erst einmal be-
gonnen haben, werden die USA unweigerlich hineingezogen; dafür werden der Kongress
und die Mainstream-Medien schon sorgen.
Lassen Sie uns also annehmen, dass Israel den Iran angreift. Israel kann dadurch nur ge-
winnen, weil es der muslimischen Welt damit wieder einmal demonstrieren kann, dass
nicht mit ihm zu spaßen ist; die damit ausgelösten schweren Kämpfe wird es dann aber
vor allem den USA überlassen. Ich glaube, dass Israel für einen Luftangriff auf den Iran
den kürzesten Weg durch den Luftraum des Iraks wählen wird. Der wird zur Zeit noch von
der US-Air Force kontrolliert, die zweifellos den Befehl hat, keine israelischen Flugzeuge
abzuschießen, sonst müsste Obama mit heftigen Anfeindungen aus den Reihen des Ame-
rican Israel Public Affairs Committee / AIPAC (s. http://www.aipac.org/ und http://de.wiki-
pedia.org/wiki/American_Israel_Public_Affairs_Committee ), des Kongresses und der Me-
dien-Vertreter rechnen. Ein Abschuss-Befehl ist schon wegen der Angst der demokrati -
schen Kongress-Abgeordneten vor den Reaktionen ihrer jüdischen Sponsoren undenkbar, 
ganz zu schweigen von der Gefahr, die aus anklagenden Medienberichten für die anste-
henden Zwischenwahlen erwüchsen. Falls die Iraner es nicht vorziehen, äußerst zurück-
haltend zu reagieren, müssen sie die USA als Komplizen Israels betrachten, weil sie des-
sen Kampfjets den Flug durch den irakischen Luftraum erlaubt haben; die iranischen Ver -
geltungsschläge gegen die US-Streitkräfte würden Washington in den Krieg verwickeln, 
und genau das will Israel ja.
Israel geht nur das Risiko ein, dass sein Angriff unerwartete Folgen hat. Wenn der Krieg
mit dem Iran einen schlechten Verlauf nehmen sollte, weil die Iraner mit ihren von China
gelieferten Marschflugkörpern einen US-Flugzeugträger versenken, könnten sehr viele
US-Bürger über die Rolle Israels bei der Auslösung des Konflikts so sehr verärgert sein, 
dass sogar die Medien und der Kongress in die Kritik einstimmen müssten. Aber Israel 
verlässt sich wahrscheinlich darauf, dass dieser Fall wegen der riesigen militärische Über -
legenheit der USA über den Iran nicht eintritt und das genannte Risiko deshalb ziemlich
gering bleibt. Außerdem muss man damit rechnen, dass die extrem rechte israelische Re-
gierung des Premierministers Bibi Netanjahu sich nicht besonders rational verhält und vor-
her alle denkbaren Gewinne und Verluste gegeneinander abwägt. Netanjahu meint mit 
seiner rassistischen Gesinnung, seiner intellektuellen Arroganz und im Glauben, die Ereig-
nisse in den USA unter Kontrolle zu haben, jede Entscheidung durchsetzen zu können.
Damit kommen wir zur Frage des Timings. Es gab Gerüchte in den Medien, Israel werde
wahrscheinlich "erst im November" etwas unternehmen. Es ist nicht klar, warum man aus-
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gerechnet dieses Datum angenommen hat, denn ich denke, dass früher etwas geschehen
wird und zwar aus folgenden Grund: Wie weiter oben bereits erwähnt, kontrollieren gegen-
wärtig die USA noch den irakischen Luftraum. Aber diese Kontrolle wird im August auf die
irakische Regierung übergehen, wenn alle Kampftruppen aus dem Irak abgezogen sind
und die US-Präsenz auf 60.000 nicht kämpfende Soldaten der Army und der Air Force zu-
sammengeschrumpft sein soll. Ab diesem Zeitpunkt wird die US-Luftwaffe nicht mehr al -
lein für die Überwachung des irakischen Luftraums zuständig sein, sondern die Anweisun-
gen der irakische Regierung berücksichtigen müssen. Stellen Sie sich für einen Moment 
vor, wie sich das auf das Ansehen der USA in der arabischen Welt auswirken würde, 
wenn Bagdad darum bäte, seinen Luftraum gegen das Eindringen israelischer Flugzeuge
zu verteidigen, und sich die USA weigerten, das zu tun. Deshalb werden die Israelis noch
vor August angreifen. Sie wollen zwar, dass die USA für ihre Interessen kämpfen, aber 
Obama nicht noch in zusätzliche Schwierigkeiten bringen.
Was kann Obama tun, um den Krieg zu verhindern? Es hat Spekulationen gegeben, er
werde einen persönlichen Abgesandten zu dem israelischen Premierminister Bibi Netanja-
hu schicken – mit der Botschaft, dass die USA einen israelischen Angriff nicht unterstüt-
zen, die Aktion verurteilen und Tel Aviv auch danach nicht helfen werden. Ich nehme an, 
Obama hat Netanjahu bereits persönlich und auch über diplomatische Kanäle wissen las-
sen, dass die USA keine Militäraktion wollen. Aber die israelische Regierung betrachtet 
eine solche Warnung sicher als zahnlos, weil sowohl Joe Biden als auch Hillary Clinton
bereits erklärt haben, dass Israel das Recht hat, eigene Entscheidungen zu treffen, wenn
es seine Sicherheit bedroht sieht. Weil der Kongress jeden Versuch, Israel zu bestrafen
oder unter Druck zu setzen, blockieren würde, kann eine Warnung Obamas einfach über -
gangen werden. Obama hat eigentlich nur eine erfolgversprechende Option: Er müsste
vorbeugend öffentlich erklären, dass es keinen Grund für einen Krieg gegen den Iran gibt, 
dass die USA einen israelische Angriff nicht unterstützen und sich außerdem sofort darum
bemühen werden, jede Militäraktion gegen den Iran von den Vereinten Nationen und an-
deren internationalen Gremien verurteilen zu lassen. Ist es wahrscheinlich, dass er das tun
wird? Ich denke nicht. Und genau aus diesem Grund behaupte ich, dass ein neuer Krieg
im Mittleren Osten schon in diesem Jahr wahrscheinlich ist und noch vor Beginn des Mo-
nats August vom Zaun gebrochen wird.
(Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit Ergänzungen und einigen Links in Klam-
mern versehen. Nach unserem Kommentar drucken wir den Originaltext ab.)
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Unser Kommentar
Die Ansicht des Autors Philip Giraldi (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Giraldi ), die
USA wollten eigentlich einen israelischen Überfall auf den Iran verhindern und müssten 
sich in einen ungewollten Krieg hineinziehen lassen, teilen wir nicht. Dafür haben die 
Kriegsminister der USA und Israels – Robert Gates und Ehud Barak – als sie sich kürzlich 
trafen, öffentlich zu viel Einigkeit demonstriert (s. dazu http://www.luftpost-kl.de/luftpost-ar-
chiv/LP_10/LP11610_020510.pdf ). Außerdem rechnen wir mit einem anderen israeli-
schen Eröffnungszug. Wenn Israel den Irak mit Raketen angreift, die von seinen von der 
Bundesrepublik gelieferten, atomwaffenfähigen U-Booten aus dem persischen Golf abge-
schossen werden, müssen seine Kampfjets den irakischen Luftraum überhaupt nicht 
durchfliegen (s. http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP15509_170709.pdf ). So-
bald die erste iranische Vergeltungsrakete in Israel einschlägt, müssen die USA "der klei -
nen, tapferen Demokratie zur Hilfe eilen", und Bundeskanzlerin Angela Merkel kann – weil 
sie den Schutz Israels zum Bestandteil der Staatsräson erklärt hat – den Bundestag die 
Beteiligung deutscher Tornados am Bombenkrieg gegen den Iran beschließen lassen.

http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_10/LP12410_100510.pdf
Tags: angriff iran antiwar
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