war_is_illegal (war_is_illegal) wrote,
war_is_illegal
war_is_illegal

Guluwalk Berlin - Rede von Prof. Dr. Lothar Krappmann

GuluWalk           Berlin      24. April 2010 

Kinder, vor allem junge Kinder zu Soldaten zu machen, ist ein schweres Verbrechen, es ist ein Kriegsverbrechen. Sie werden dazu abgerichtet, andere umzubringen. Aber auch diese Kinder selber werden, wenn sie es überleben, für ihr Leben traumatisiert. Gerade Kinder haben sich die Warlords gesucht, weil sie annahmen: Da ist am wenigsten Widerstand. 

Die Kinder im Norden Ugandas kannten die Gefahr. Wir haben gehört: Nacht für Nacht sind sie viele Kilometer gelaufen, um einen sicheren Platz zum Schlafen zu finden. In die Stadt Gulu und andere Orte sind sie geflüchtet - Tausende, Nacht für Nacht. 

Viele Kinder sind den Verbrechern, die sich Befreiungsarmee Gottes nennt, dennoch nicht entkommen. Diese Kinderarmee hat sie ihrer Kindheit und Jugend beraubt. Immer noch geschieht dies, nicht nur in Afrika, auch in Asien, auch in Lateinamerika. Schätzungen belaufen sich auf bis zu einer Viertel Millionen Kinder. 

Leider sind es nicht nur Rebellen, Fanatiker, Sektierer, sondern manches Mal auch Regierungen, die Kinder rekrutieren, Kinder, die von der Straße weg wollen, Kinder, die hoffen, in der Armee endlich ein regelmäßiges Essen zu bekommen, Kinder, die daher ein falsches Geburtsalter angeben. Auch das muss enden! 

In den letzten Jahren ist es gelungen, zehntausende von Kindern aus Armeen und Kampfgruppen herauszuholen. Aber immer noch werden Kinder entführt und gezwungen, sich diesen bewaffneten Banden anzuschließen. 

Die Vereinten Nationen haben große Anstrengungen unternommen, um diesen Verbrechen ein Ende zu bereiten. Der Sicherheitsrat, hat dies Thema auf der Tagesordnung und hat eindeutige Beschlüsse gefasst (Res. 1539 und 1612). Staaten mit Kindersoldaten werden unter Druck gesetzt.  

Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen zahlreiche Kriegsherren und Politiker erlassen, um sie vor Gericht zu stellen. Tribunale haben sie angeklagt. Sie alle brauchen jedoch die Unterstützung der Staaten, in denen diese Kriegsverbrecher untertauchen oder sogar Schutz finden. Da fehlt es leider oft an Hilfe. 

Der Kinderrechtsausschuss der Vereinten Nationen verlangt, dass jede Rekrutierung von Kindern unter 18 beendet, verboten und bestraft wird. Keine Versklavung von Kindern als Soldaten! Aber auch kein gesetzlicher Militärdienst für unter 18jährige! Und auch kein freiwilliger Eintritt ins Militär. Und dies überall in der Welt! 

Kinder gehören in die Schule, in die Berufsausbildung, auf den Spielplatz und zum Sport, in ihre Familien und zu ihren Freundinnen und Freunden - nicht in Kasernen und Kampfgruppen, nicht an Gewehre und Kanonen, nicht zu Heckenschützen und Selbstmordattentätern. 

Wir alle, die wir hier stehen, verlangen: Kein Kind ins Militär, kein Kind in den aktiven Kampf, aber es darf auch kein Kind, keine Schule, kein Kindergarten zum Ziel militärischer Aktionen werden. 

Es gibt noch einen anderen Punkt, der ebenso wichtig ist: Die Kinder, die aus Armeen und Kampfgruppen fliehen oder befreit werden konnten, brauchen Hilfe. Auch wenn sie Schlimmes getan haben, sind sie Opfer. Es ist nicht leicht, sie in normale Wege des Aufwachsens zurückzuführen.  

Aber es gibt großartige Hilfsaktionen, die wir unterstützen müssen. Es ist mühsam, ein zerstörtes Leben wieder zu heilen, einem misshandelten, unter Drogen gesetzten, zum Mörder gemachten Kind wieder eine Lebensperspektive zu eröffnen. Es ist oft auch nicht leicht, andere Menschen dazu zu bringen, diese jungen Menschen wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen. 

Es ist bedauerlich, dass Beatrice Amony nicht hier sein kann. Sie bezeugt, dass es Rückkehr gibt und auch Versöhnung. Die Mittel sind gar nicht ungewöhnlich: Gespräch, Spiel, Schule, Ausbildung, Vertrauen. Trotzdem: Die Mittel dafür, Menschen, Zeit, Orte, müssen vorhanden sein.  

Daher rufe ich: Helft mit, dass diese Kinder in ein Leben zurückgebracht werden können, in dem sie mit einer Familie, in und mit ihrem Land wieder mitbauen

    an einer friedlichen Welt,  
    einer Welt ohne Kindersoldaten,

     an einer Welt ohne Läufe nach Gulu in der Nacht. 
 
 

Prof. Dr. Lothar Krappmann

UN-Ausschuss für die Rechte des Kindes

Tags: guluwalk berlin krappmann
Subscribe

  • Post a new comment

    Error

    Anonymous comments are disabled in this journal

    default userpic

    Your IP address will be recorded 

  • 0 comments