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9/11 Chile-Putsch 1973
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Die Nixon-Médici-Connection

»Geheimes Protokoll« veröffentlicht: USA warben für Chile-Putsch 1973

Von Benjamin Beutler
Die Dokumente, die am Sonntag in den USA veröffentlicht wurden, haben es in sich. Demnach waren die USA unter Präsident Richard Nixon (1969–1974) nicht nur direkt am Putsch gegen den chilenischen Präsidenten Salvador Allende am 11. September 1973 beteiligt. Sie warben zudem offenbar bei anderen lateinamerikanischen Staaten, mindestens jedoch bei der brasilianischen Militärjunta, um Unterstützung hierfür. Dieses geht aus einem »geheimen Gesprächsprotokoll« hervor, das nun zur Veröffentlichung freigegeben und vom an der George-Washington-Universität ansässigen »Nationale Sicherheitsarchiv« vorgestellt wurde.
Demnach fand am 9. Dezember 1971 im Weißen Haus ein Treffen zwischen Nixon und Brasiliens Juntachef Emilio Médici statt. Inhalt des Gesprächs war die Diskussion von Möglichkeiten, nicht nur Allende, sondern auch andere als »kommunistisch« eingeschätzte Staaten, wie etwa die Regierung Fidel Castros auf Kuba, zu stürzen oder zu destabilisieren. »Wir müssen alles tun, um neue Allendes und Fidels zu verhindern, und versuchen diese Trends umzukehren«, so Nixon. Auf die Frage, ob Brasilien die chilenischen Militärs in der Lage sähe, einen Staatsstreich gegen die Regierung Allende durchzuführen, antwortete Médici: Er habe den Eindruck, daß sie es wären. Der General fügte hinzu, daß man »bereits Austauschprogramme mit den chilenischen Militärs« unterhalte.
Auch über andere Länder sprachen die beiden Staatschefs. Médici fragte Nixon, ob Brasilien die Exilkubaner unterstützen sollte. Diese besäßen Kräfte, »um das Castro-Regime zu stürzen«. Nixon antwortete darauf, alles sei möglich, solange nicht bekannt wird, daß »wir unsere Hände im Spiel haben«. Es gebe »eine Menge Sachen, die Brasilien als südamerikanisches Land machen kann – die USA aber nicht«.
Einigkeit wurde darüber erzielt, daß »es für Brasilien und die Vereinigten Staaten sehr wichtig ist, in diesem Feld eine sehr enge Zusammenarbeit zu erreichen«, so die schriftliche Zusammenfassung des Meetings. »Wenn Geld nötig ist oder andere diskrete Hilfe, dann sind wir in der Lage, diese zugänglich zu machen«, bot Nixon an. Abseits regulärer diplomatischer Kanäle wurde eine direkte, »geheime« Kontaktaufnahme vereinbart. Auf US-Seite wurde Außen- und Sicherheitsberater Henry Kissinger beauftragt, auf der Gegenseite Brasiliens Außenminister Gibson Barbosa. Zwei Jahre später, am 11. September 1973, putschte das chilenische Militär. Der 1970 demokratisch gewählte Volksfront-Präsident wurde bei dem vom US-Geheimdienst CIA unterstützten Staatsstreich getötet.
»Die Dokumente öffnen die Tür zu einer neuen, unerzählten Geschichte zu den Bemühungen, Allende zu stürzen«, urteilte am Sonntag Peter Kornbluh, Direktor des »Nationalen Sicherheitsarchivs«. »Sogar gemessen daran, was wir schon über die ausgedehnten Kontakte zwischen den USA und lateinamerikanischen Alliierten während des Kalten Krieges wissen: Diese Dokumente enthüllen ein höheres Kooperationsniveau, als bisher bekannt war«, kommentierte Michael Shifter, Vizepräsident des Washingtoner Lateinamerika-Forschungsinstituts Inter-American- Dialogue.