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Den Iran mit Atombomben anzugreifen?
war_is_illegal


John Bolton,  der ehemalige US-Botschafter bei  der UNO,
empfiehlt   Israel,  den  Iran mit  
Atombomben anzugreifen.


John Bolton schlägt Atomangriff auf den Iran vor
Von Daniel Luban
THE FASTER TIMES, 14.10.09
 http://thefastertimes.com/diplomacy/2009/10/14/john-bolton-suggests-nuclear-attack-on-iran/

An diesem Freitag führt das American Enterprise Institute / AEI eine Veranstaltung durch,
die  sich mit  der  Frage beschäftigen wird:   "Sollte  Israel  den  Iran angreifen?"   (Infos  s.
http://www.aei.org/event/100155  und  http://de.wikipedia.org/wiki/American_Enterprise_In-
stitute ) Daran teilnehmen werden neben anderen der besonders feindlich gegen den Iran
eingestellte Superfalke (und AEI-Dozent) Michael Rubin (s. http://en.wikipedia.org/wiki/Mi-
chael_Rubin  )  und der  berüchtigte  "Folter-Gutachter"  John Yoo.   (Er  erstellte unter  der
Bush-Administration Rechtsgutachten,  die Folterpraktiken wie vorgetäuschtes Ertränken
billigten.   s.  http://en.wikipedia.org/wiki/John_Yoo  )  Der  wirkliche  Star  wird   aber  wahr-
scheinlich John Bolton sein, der ehemalige Botschafter (der USA) bei den Vereinten Natio-
nen, dessen ultrarechte Ansichten  ihn sogar in der   zweiten   Amtsperiode   Bushs   zum
Außenseiter werden ließen. [Bolton wurde schließlich fallen gelassen, als sich zeigte, dass
ihn  der  Senat   nicht  ein  zweites  Mal  als  UN-Botschafter   akzeptieren würde.]   (s.  auch
http://de.wikipedia.org/wiki/John_R._Bolton )

Wenn Bolton seine jüngsten Äußerungen bei seinem AEI-Auf-
tritt  wiederholt,  wird er  das beeindruckende Kunststück voll-
bringen, Michael Rubin wie eine Taube klingen zu lassen. Als
sich Bolton am Dienstag in einer Rede an der Universität Chi-
cago zum  Iran äußerte,   forderte er  nichts weniger  als einen
atomaren Erstschlag  Israels   gegen  die  Islamische Republik
(Iran). [Seine Rede, die von den University Young Republicans
und den Chicago Friends of Israel gesponsert wurde, trug die
offensichtlich nicht ironisch gemeinte Überschrift "Den Frieden
sichern".]   (s.  http://event.uchicago.edu/maincampus/detail.-
php?guid=CAL-402882f8-237c1f27-0123-80febb20-
00000001eventscalendar@uchicago.edu )  

"Verhandlungen sind gescheitert, und Sanktionen haben versagt," trug Bolton vor und wie-
derholte damit seine schon vorher geäußerte Meinung, dass Sanktionen unwirksam seien
und keine Verhaltensänderung in Teheran bewirken könnten (s. http://online.wsj.com/artic-
le/SB10001424052970204731804574383162213828906.html ). "So haben wir einen sehr
traurigen Punkt  – einen wirklich sehr   traurigen Punkt  erreicht  – und  wenn  Israel  nicht
dazu bereit   ist,  Atomwaffen gegen das  iranische Programm einzusetzen,  wird der
Iran in sehr naher Zukunft Atomwaffen haben."
Bolton machte klar, dass diese Aussicht inakzeptabel sei. "Es gibt einige Menschen in der
(Obama-)Regierung,  die denken, das sei  kein Problem, wir könnten den  Iran  in Schach
halten und abschrecken, wie wir das mit der Sowjetunion während des Kalten Kriegs ge-
tan haben. Ich halte das für einen großen, großen Fehler und eine gefährlich schwächliche
Herangehensweise. Was auch immer man sonst über die Sowjets sagen kann, sie glaub-
ten wenigstens daran, das es nur das Leben auf dieser Welt gibt, und sie waren nicht wild
darauf,  es zu verlieren;  das  theologische Regime  in Teheran hingegen sehnt  sich doch
mehr nach einem Leben im Paradies als nach dem Leben auf der Erde. Deshalb wird Ab-
schreckung bei einem Land wie dem Iran nicht funktionieren, denke ich." (Bolton spielt hier
auf den Glauben der Muslime an, dass nur die im Heiligen Krieg gefallenen Märtyrer mit
Sicherheit ins Paradies kommen.)

Obwohl  sich Bolton zierte, seine Schlussfolgerung auszuführen, waren die Implikationen
seiner Argumente klar. Wenn Verhandlungen, Sanktionen oder Abschreckung keine realis-
tischen Optionen sind, bleibt Israel nach seiner Logik nur eine Option übrig: "Israel muss
Atomwaffen gegen das Programm des Irans einsetzen."
Natürlich ist es nichts Neues für Bolton und seine neokonservativen Verbündeten, mit ei-
nem israelischen Schlag gegen den Iran zu drohen. Aber der Gebrauch des mit A anfan-
genden Wortes (Atomwaffen) ist, glaube ich, neu für ihn und kennzeichnet eine bedeutsa-
me rhetorische Eskalation für die Falken. Ein israelischer Schlag, ob atomar oder konven-
tionell  geführt,   ist  ohne Einverständnis der USA eher unwahrscheinlich.  Weil das schon
häufig der Fall war, vermute ich, dass Bolton weniger die Absicht hatte, die Realität zu be-
schreiben, als eine Position zu vertreten, die extrem genug ist, um die Grenzen der Debat-
te ganz weit nach rechts zu verschieben.
(Informationen   über   die  US-Webzeitung   THE  FASTER  TIMES   sind   aufzurufen   unter 
http://thefastertimes.com/about-us/ . Wir haben den Artikel komplett übersetzt und mit An-
merkungen in runden Klammern versehen. Die Hervorhebung war bereits im Originaltext 
enthalten, den wir anschließend abdrucken. Die am Ende des Artikels angedeutete Auf-
fassung, Bolton bringe nur deshalb einen Atomangriff auf den Iran ins Spiel, damit die Öf-
fentlichkeit einen konventionellen Luftkrieg als das kleinere Übel eher akzeptiert, teilen wir 
nicht. Falls man mit der konventionellen MOP-Superbombe die unterirdischen Atomanla-
gen des Irans nicht zerstören kann, wird man auch vor dem Einsatz taktischer Atomwaffen 
nicht zurückschrecken. Ergänzende Informationen zur MOP-Bombe sind nachzulesen un-
ter http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_09/LP22609_171009.pdf .)